Neolithische Landwirtschaft in Mitteleuropa

Die folgende Tabelle soll einen kurzen Überblick über die Landwirtschaft in Mitteleuropa vom Neolithikum bis zur Bronzezeit geben. Dabei ist zu beachten, daß es für jeden Zeitraum regionale Unterschiede gibt und man nicht von einheitlichen Entwicklungstendenzen ausgehen kann. Während über Siedlungsraum, Nutzpflanzen und -tiere insgesamt gute Kenntnisse vorhanden sind, ist vergleichsweise wenig über die landwirtschaftlichen Methoden, die Größe der Felder oder die Erträge bei unterschiedlichen Anbauverfahren bekannt. So ist zum Beispiel nicht genau bekannt, ab wann im Neolithikum Pflüge und Zugtiere verwendet wurden. Auch ob ein solcher Wald-Feldbau wie er in Forchtenberg erprobt wird, überhaupt je praktiziert worden ist, ist unter Archäologen umstritten. Die Argumente dafür und dagegen sind in der zweiten Tabelle zusammengestellt.

Altneolithikum Mittelneolithikum Jungneolithikum Spätneolithikum Endneolithikum Bronzezeit
Zeitraum 5300 - 5000 v.Chr. 5000 - 4400 v.Chr. 4400 - 3500 v.Chr. 3500 - 2800 v.Chr. 3500 - 2000 v.Chr. 2000 - 850 v.Chr.
Klima Atlantikum Atlantikum Atlantikum bis frühes Subboreal Subboreal Subboreal Subboreal
Siedlungs- räume Landwirt- schaftliche Gunsträume auf Lößböden zunehmend neue Gebiete auch außerhalb der Lößbörden beträchtliche Erweiterung über die Lößgebiete hinaus, erstmalige Erschließung des Alpenvorlandes und des norddeutschen Tieflandes erstmals flächendeckende neolithische Besiedlung Deutschlands, hohe Differenzierung, viele kleinere Kulturen tiefgreifender gesellschaftlicher Umbruch zu einer Einheitskultur in ganz ME, nochmal Ausdehnung auf Sandgebiete und Mittelgebirge nochmal beträchtliche Ausweitung des Ackerbaus, auch auf weniger fruchtbare Areale
Haustiere Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Hund dazu evtl. Pferde sicher Pferde + alle vorher genannten alle vorher genannten
Getreide- arten Einkorn und Emmer, Nacktweizen, Gerste Dinkel, Rispen- und Kolbenhirse, Emmer, Gerste (Weizen und Einkorn wenig)
weitere Kultur- pflanzen Erbsen, Linsen, Linsenwicke, Lein, Schlafmohn
(daneben evtl. auch Nutzung von Wildpflanzen z.B. Chenopodium album)
zusätzlich Ackerbohne, Anbau von Hülsenfr. viel bedeutender als im N.
Wild- pflanzen und Unkräuter Sammelfrüchte wohl nicht weniger als im Jung- und Spätn., aber weniger Funde
Unkrautgesellschaft "Bromo-Lapsanetum praehistoricum", wobei manche der typischen Arten evtl. auch genutzt wurden, sicher Bromus secalinus und Chenopodium album
Sammelfrüchte wie Haselnüsse, Äpfel, Beeren haben einen hohen Stellenwert
wenige Unkrautsamen in Getreidefunden
erstmals richtige Ackerunkraut-Gesellschaften weiterhin Nutzung von Wildpflanzen; Zunahme der Unkrautarten
Anbau-verfahren Auf den sehr fruchtbaren Böden wahrscheinlich permanent und unter intensiver Bodenbearbeitung, ohne dass Düngung erforderlich war nach Krise am Ende der Bandkeramik erneute Rodungen, z.T. intensive Viehhaltung im Wald, sonst wie LBK Wald-Feldbau mit Feuereinsatz?

im Voralpenland z.T. Dominanz von Nacktweizen
Ausbreitung des Pflugbaus, zumindest mehr Gräser- und Kräuterpollen in den Spektren mehr Viehwirtschaft, parkähnliche Wälder mit vielen Eichen, auch noch Brand ausgedehnte und dauerhafte Feldfluren, Pflugbau, Beweidung der Brachflächen, Mistdüngug


LITERATUR:

Die Versuche in Forchtenberg beziehen sich auf das in der Tabelle dunkel markierte Feld, das heißt auf ein Anbauverfahren, das für diesen Zeitraum des Neolithikums diskutiert wird.