Neolithische Landwirtschaft in Mitteleuropa

Landwirtschaft in Mitteleuropa im Neolithikum und in der Bronzezeit:

Das mitteleuropäische Neolithikum wird in fünf Stufen unterteilt, das Altneolithikum (Linearbandkeramik), Mittel-, Jung-, Spät- und Endneolithikum, diese Einteilung erfolgte aufgrund der Merkmale der Keramik der verschiedenen Kulturen. Die ersten neolithischen Bauern fanden in Mitteleuropa zunächst eine weitgehend von Wald bedeckte Landschaft vor. Sie mußten also um Felder anzulegen, erst die Bäume fällen. Aus Pollenspektren kann man schließen, daß während des Neolithikums trotz mancherorts hoher Besiedlungsdichten der Wald stets ziemlich geschlossen blieb, so daß man sich die Anbauflächen umgeben von Wald vorstellen kann. Die neolithischen Menschen haben aber zweifelsohne erfolgreich Ackerbau betrieben, denn aus Funden weiß man, welche Getreidesorten und andere Nutzpflanzen angebaut wurden und man geht davon aus, daß Getreide das Hauptnahrungsmittel war.


Ein Getreidefeld auf der Versuchsfläche in Forchtenberg


TABELLE1: Übersicht zur Landwirtschaft im mitteleuropäischen Neolithikum



Die Rolle des Wald-Feldbaus im Neolithikum

Was sind die Eigenschaften eines Wald-Feldbaus?

Unter einem Wald-Feldbau versteht man ein Anbauverfahren, bei dem es keine festen Felder gibt, sondern eine jährliche oder zumindest häufige Rotation, wobei die aufgegebenen Felder wieder zu einem Wald werden. Der englische Begriff hierfür ist "shifting-cultivation". Wird zusätzlich die gerodete Fläche überbrannt, spricht man von "slash-and-burn" oder auf deutsch "Brandrodung". Zusammengefaßt kann man das Verfahren "Brandrodungs-Wander-Feldbau" nennen. Das "Wandern" ist notwendig, da eine xmal größere Fläche eingeschlagen werden muß, als als Anbaufläche nötig ist, da für den Brand viel Kleinholz benötigt wird. Somit ist der Flächenverbrauch sehr hoch.
Ein Anbauzyklus sieht so aus: Einschlag eines Waldstückes im Winter, Trocknung des Holzes mindestens einen Sommer, Brand im Herbst oder Frühjahr, Ansaat entsprechend im Herbst oder Frühjahr, Ernte im Sommer, danach liegt die Fläche brach und kann evtl. beweidet werden, es entsteht im Laufe der Jahre aus der Kahlschlagflora wieder ein junger Wald (aus Sämlingen und Baumausschlägen), der nach 10-15 Jahren erneut eingeschlagen werden kann.

Ob und in welchem Umfang während des Neolithikums ein solcher Wald-Feldbau stattgefunden hast, ist teilweise umstritten. Es handelt sich um eine denkbare Methode, wie in einer Wald-Landschaft- mit für den Ackerbau nicht immer optimalen Böden- erfolgreich Getreide angebaut werden kann und es gibt auch historische und ethnologische Beispiele für ähnliche Verfahren (Literatur?), sowie Hinweise aus archäologischen Befunden, die eine solche Hypothese stützen (siehe Link und unten).

Sehr nützlich ist das Brandverfahren sicher immer dann, wenn neue Ackerflächen angelegt werden sollen, zum Beispiel bei der Besiedlung neuer Gebiete. Vor allem bei schlechten, unfruchtbaren Böden ist es schwer vorstellbar, wie es sonst gelingen soll, von Anfang an erfolgreich Getreide anzubauen. Entweder man nimmt lausige Erträge in Kauf, die kaum über der Aussaatmenge liegen oder man braucht viele Jahre um eine fruchtbare "Gartenerde" "aufzubauen", denn es müßte viel organische Substanz zugeführt werden, damit sich ein nährstoffreicher Humus bilden kann. Die Versuche in Forchtenberg haben gezeigt, daß der normale Waldboden dafür nicht ausreicht. Als Ausnahmen hiervon sind allenfalls die früheren Schwarzerdeböden auf Löß denkbar, evtl. auch Auen- oder Moorböden. Hier ist auch ein Anbau ohne Brand lohnend, ein Brand würde aber auch hier die schwere erste Rode- und Umbrucharbeit, sowie die Unkrautbekämpfung, erleichtern.

TABELLE2: Argumente für und gegen die Wald-Feldbau-Hypothese

Es ist insgesamt schwierig zu beurteilen, welche Methoden den Neolithikern zur Verfügung standen, so sind Hacken auf jeden Fall vorhanden, die zur Bodenbearbeitung und Unkrautbekämpfung eingesetzt werden können. Somit wäre ein Verfahren ohne Brand zumindest auf fruchtbaren Böden möglich. Dies müßte dann allerdings ein Daueranbau über einige bis viele Jahre hinweg sein, denn die Rodung der Fläche und das Entfernen der Wurzeln sind mühsam und die Arbeit erscheint nur sinnvoll, wenn der Acker längere Zeit in Benutzung bleibt. Ab wann im Neolithikum Pflüge und Zugtiere eingesetzt wurden ist umstritten, sichere Pflugspuren findet man erst gegen Ende des Neolithikums, z.B. unter Grabhügeln. Ob die Neolithiker Methoden des Fruchtwechsels, der Mistdüngung, Aschedüngung, Einsatz von Leguminosen oder Kompostdüngung angewandt haben, weiß man nicht.

Anbauflächen auf der Versuchsfläche bei Forchtenberg im Hohenlohekreis im Wechsel der Jahreszeiten:


















Warum werden in Forchtenberg Versuche zum Wald-Feldbau gemacht?

1. Neuere archäobotanische Befunde vom Bodensee ergeben ein Bild von der damaligen Vegetation und dem Ackerbau, das die Idee eines Wald-Feldbaus mit Brand sehr nahelegt: Umfangreicher Ackerbau ist sicher belegt, dennoch bleibt der Anteil der Pollen von Gräsern und Kräutern gering, das heißt es gibt keine Hinweise auf Brachen, Wiesen oder Weiden. Bei den Gehölzen gehen die großen Waldbäume zurück, dafür nehmen die Pionierbaumarten Hasel und Birke zu. Neben den Pollen werden viele Holzkohlepartikel gefunden. Großreste zeigen eine klare Dominanz des anspruchsvollen Nackweizens und geringe Verunkrautung. Die Unkräuter die man findet, zeigen fruchtbare Böden an, während die typischen Halmfruchtunkräuter fehlen und erst im Endneolithikum erscheinen. Außerdem ist eine große Bedeutung von Sammelobst festzustellen, welches bevorzugt in Waldsukzessionsstadien wächst, zumindest aber nicht in einem geschlossenen Hochwald, z.B. Himbeeren oder Äpfel.

Unsere bisherigen Ergebnisse bestätigen, daß ein Wald-Feldbau mit Feuereinsatz ein durchaus praktikables und ökonomisch sinnvolles Verfahren ist, dessen Vorteile vor allem auf schlechten Böden und bei ausreichend zur Verfügung stehender Fläche zum tragen kommen. Insgesamt erscheint die Wald-Feldbau-Hypothese in sich geschlossen, deckt sich logisch mit den Funden und fügt sich auch in die zeitliche Entwicklung der Anbauverfahren. Als wichtigste Argumente gegen einen neolithischen Wald-Feldbau genannt werden vor allem der hohe Arbeitsaufwand und Flächenbedarf, sowie das Fehlen von Waldarten als Unkräuter in Getreidefunden, bzw. dem vorhandensein spezieller Unkrautarten, die auf einen Daueranbau schließen lassen.


Studenten und Mitarbeiter beim Brennen einer Fläche

2. Auf der Versuchsfläche werden unabhängig vom Wald-Feldbau neolithische Anbauverfahren und Arbeitsmethoden getestet. Die Erhebung solcher Daten, z.B. zum Fällen mit Steinbeilen oder der Ernte mit neolithischen Messern und Sicheln, aber auch zu Vegetation, Böden, Phänologie usw., ist trotz der mittlerweile längeren Tradition experimenteller archäologischer Versuche zum Neolithikum immer noch wichtig, da die vorhandenen Daten noch große Lücken aufweisen.


Replikate von Steinbeilen und Erntewerkzeugen

3. Es gibt ein Interesse an solchen Versuchen von Seiten anderer Forschungsrichtungen, z.B. der Waldbrandforschung, der Bodenkunde (Regeneration von Bodenoberflächen, sowie Fragen zu Black carbon und Holzkohle) und der Vegetationskunde (Stickstoffhaushalt etc.). Im Zuge der Klimawandelforschung gewinnen Fragen über die Speicherung von Kohlenstoff in Form von Holzkohle in Böden und die Veränderung der Holzkohle im Laufe der Jahre an Bedeutung.

Boden-Dünnschliff mit Holzkohle